Am 20.05.2026 luden Eva Becker, interkulturelle Fachkraft (IKF), und Jasmin Neitzert, Netzwerkerin, zum Elterncafé in den Kindergarten am Schulzentrum in Dierdorf ein. Das Treffen war gut besucht und bot Raum für einen lebendigen und wertschätzenden Austausch zum Thema „Kindergarten früher, heute und in anderen Ländern“.
Dabei wurde deutlich, wie unterschiedlich die frühkindliche Betreuung weltweit gestaltet wird und wie sehr sie von gesellschaftlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Bedingungen geprägt ist.

Besonders spannend waren die persönlichen Berichte aus Kirgisistan. Dort waren Kindergärten früher von 6 bis 17 Uhr geöffnet, da in der Regel alle Familienmitglieder berufstätig waren. Zum Alltag gehörten ein verpflichtender Mittagsschlaf oder eine Ruhezeit sowie eine feste Tagesstruktur mit Mittag- und Abendessen. Selbst Kinder, die krank waren, konnten den Kindergarten besuchen und wurden dort von einer Kinderkrankenschwester betreut und separat versorgt. Viele Einrichtungen verfügten sogar über ein Schwimmbad. Außerdem gehörten gesundheitliche Maßnahmen, wie das Laufen über kalte Tücher oder die tägliche Gabe von Vitaminen, selbstverständlich zum Alltag. Die Kindergärten waren staatlich organisiert und finanziert. Erst Anfang der 1990er Jahre entstanden private Einrichtungen, die vor allem von wohlhabenden Familien genutzt wurden.
Auch über afrikanische Länder wurde gesprochen. Dabei wurde deutlich, dass es auf dem afrikanischen Kontinent sehr unterschiedliche Formen der Kinderbetreuung gibt. In vielen ländlichen Regionen übernehmen traditionell Großeltern, ältere Familienmitglieder oder die Dorfgemeinschaft die Betreuung der Kinder. Kinder wachsen dort oft in einer starken Gemeinschaft auf und lernen früh durch gemeinsames Spielen, Beobachten und Mithelfen im Alltag. Gleichzeitig entstehen heute in vielen afrikanischen Ländern zunehmend Kindertagesstätten und Vorschulen, besonders in Städten und größeren Gemeinden.
Aus Afghanistan berichteten Eltern, dass früher die Betreuung überwiegend innerhalb der Großfamilie stattfand und es kaum Kindergärten gab. Heute besuchen viele Kinder zwischen einem und fünf Jahren Kindergärten, die meist von 8 bis 16 Uhr geöffnet sind. Eine zweistündige Mittagsruhe gehört häufig weiterhin zum Tagesablauf. Neben staatlichen Einrichtungen gibt es inzwischen auch private Kindergärten, die selbst finanziert werden.
Auch Erinnerungen an die Kindergartenzeit in Deutschland wurden geteilt. Früher waren die Öffnungszeiten meist von 8 bis 12 Uhr sowie von 14 bis 16 Uhr. Mittagessen gab es in der Regel nicht, und die Gruppen waren häufig geschlossen organisiert. Viele Teilnehmende erinnerten sich an einen eher strukturierten Alltag mit wenigen besonderen Angeboten oder „Highlights“.
Das Elterncafé zeigte eindrucksvoll, wie vielfältig Kindheit und frühkindliche Bildung weltweit erlebt werden. Gleichzeitig wurde deutlich, dass überall das Wohl der Kinder im Mittelpunkt steht – auch wenn die Wege dorthin sehr unterschiedlich gestaltet sind. Der offene Austausch förderte gegenseitiges Verständnis, weckte Interesse an anderen Kulturen und stärkte das Gemeinschaftsgefühl unter den Familien.

