Waldkindergruppe im Winter

 

Der Winter ist eine besondere Jahreszeit. Der Schnee fällt und schon wollen die Kinder raus zum Schlittenfahren. Glücklich spielende Kinder, die stundenlang im Schnee spielen können, ohne dass ihnen kalt ist. Wer kennt das nicht? Wer möchte da nicht gerne mit dabei sein?

Die Wirklichkeit in der Waldgruppe sieht anders aus. Kaum liegt der Schnee, taut er auch schon wieder oder es regnet. Es ist alles kalt und nass. Überall ist Matsch und Wasserpfützen soweit das Auge reicht. Kaum ein Erwachsener hat Lust, bei diesem Wetter stundenlang draußen zu sein, noch dazu draußen zu spielen. Aber Kinder schon! Sie planen schon beim ersten Blickkontakt von Matsch, was sie damit alles machen können. Zum Leidwesen von vielen Eltern. „Wie siehst du denn aus?“ „Na toll, ich habe doch gesagt, du sollst nicht!“. Und erst die Blicke, wenn die Kleinen abgeholt werden.

Schlamm-braune Kinder, wo man kurz überlegt: Welche Farbe hatte nochmal die Matschhose? Der Schrecken für jedes Auto. Klatschnasse Klamotten und Dreck, der in allen Ritzen steckt. Da kann man sich schon mal die Frage stellen „Wofür tue ich mir das jeden Tag an?“ Wer kennt das nicht?

Aber liebe Eltern, wer schon mal ein Kind abgeholt hat und in die strahlenden Augen des matschverschmierten Kindes gesehen hat, weiß, wofür er all die Strapazen auf sich genommen hat. Viele sehen nur die Zeit davor und danach, aber die Zeit, in der das Kind in der Waldgruppe ist, sehen sie nicht. Glückliche Kinder, die trotz eisiger Kälte ihre Handschuhe im Matsch färben und in Töpfen Wasser sammeln, um ihre Staudämme zu füllen. Sich in den Regen stellen und beobachten wie der Matsch von den Klamotten abgeht, um sich gleich darauf wieder in den Matsch zu werfen. Kinder die voller Tatendrang und Leidenschaft in jede noch so kleine Wasserpfütze springen, um zu sehen wie weit und hoch das Wasser spritzt. Kleine Überlebenskünstler, die sich Hütten bauen, damit sie vor der Kälte geschützt sind. Größere und kleinere Kinder, die sich gegenseitig helfen wieder aus dem Matsch zu kommen. Freunde finden, mit denen man gemeinsame Projekte bauen kann. Die Kinder rücken zusammen; sie helfen sich in allen Situationen.

Sie sind stolz auf ihre Bauwerke und auf ihre geschaffte Arbeit. „Schau mal, ich habe eine Matschekugel gemacht.“ Kein Kind denkt dabei an die Kälte oder die nassen dreckigen Klamotten. „Ach, ist doch nicht so schlimm, meine Mama hat eine Waschmaschine.“ „Egal, ich habe zwei Paar Handschuhe dabei.“ „Ich habe doch Wechselkleidung.“ Voller Selbstbewusstsein stehen die Kleinen vor uns und hauen solche Sprüche raus. Auch für uns Erzieher ist es nicht immer leicht mit der Kälte und der Nässe auszukommen. Aber wir lernen jeden Tag voneinander. Es ist schön die Kinder bei ihrem Tun zu beobachten. Mit ihnen gemeinsam neue Ideen umzusetzen und gemeinsam die kalte und nasse Jahreszeit zu erleben. Die Natur zu erkunden, um zu sehen was sich im Wald verändert. Welche Tiere keinen Winterschlaf machen, welche Vögel zum Futterhäuschen kommen, der Maus beim Buddeln zu zuschauen, Lieder zu singen, am Lagerfeuer sich zu wärmen oder die selbstgebackene Pizza aus dem Lehmofen zu essen. Es ist zwar eine herausfordernde Jahreszeit, aber auch eine sehr kreative und spannende Zeit mit den Kindern. Diese besondere Lebenserfahrung wird später auch mal ihr Leben prägen.

Diese Seite als PDF speichern

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*